13 Schülerinnen und Schüler unserer Schule sind aktuell mit Frau Dr. Gausmann und Herrn Mangel in Polen. Die Fahrt nach Auschwitz war bereits lange geplant. Nun werden die Reisenden nicht nur mit den Verbrechen der Vergangenheit, sondern auch dem Leid der Gegenwart konfrontiert. Hier einige Eindrücke von zwei Schülerinnen der EF und Q1.
3.3.
Wir haben um 03.15 Uhr die polnische Grenze überquert. Insgesamt sind wir 13 Stunden gefahren! Die Temperaturen in der Nacht betrugen -2 bis -6 Grad, jedoch stieg diese am Tag auf drei Grad. Nach unserer Ankunft mussten wir von dem Bahnhof zu unserer Jugendherberge wandern, allerdings war dies nicht ganz so tragisch, denn nach so vielen Stunden im Bus, tat das Vertreten der Beine sehr gut!
Im Verlauf des Nachmittags folgten wir einer Präsentation über das Verhältnis der Deutschen und der Polen, vor und während des Kriegs; die Planungen und die Erbauung der Jugendherberge, in der wir nächtigen.
Zum Thema Ukraine:
Beim Durchfahren der Städte konnte man jede Menge ukrainischen Flaggen in Formen von Herzen an den Fenstern der Wohnhäuser und Kindergärten sehen. Die Jugendherberge hat heute ukrainische Flüchtlinge aufgenommen. Außerdem haben wir heute Abend beim Zusammenspielen, einen ukrainischen Flüchtling kennengelernt und mit ihm den Abend verbracht.
Wir haben heute die Geschichte der Stadt Oświęcim erfahren sowie über einen Vortrag die Entstehung der Jugendbegegnungsstätte und die Geschichte der Juden die wir im jüdischem Zentrum mit einer Synagoge erfahren haben. Außerdem sind in der Jugendbegegnungsstätte ukrainische Flüchtlinge, die hier aufgenommen wurden.
4.3.
Heute Morgen wurden wir mit Schneefall begrüßt! Nach dem Frühstück, welches wir um 7.00 Uhr aßen, sind wir zu dem Konzentrationslager Auschwitz gewandert. Dort haben wir eine vierstündige Führung durch das Stammlager, mit vielen verschiedenen Eindrücken, erlebt! Nach der Mittagsause haben wir einen Workshop zum Thema ,,Sinti und Roma vor- und während der NS-Zeit“ absolviert und mit gestaltet.
Das heutige Abendessen haben wir mit weiteren geflüchteten Familien aus der Ukraine, mit Kindern jeden Alters, geteilt. Die vielen erschöpften, traurigen, aber auch erleichterten Gesichter zusehen, hat uns sehr mitgenommen. Allerdings wieder beruhigt, da sich diese Familien jetzt in Sicherheit befinden!
6.3.
Der vorletzte Tag unserer Reise, welchen wir mit einer weiteren Stadtführung begonnen haben. Der Fokus dieser Führung lag auf der Suche nach Wandmalereien der Stadt Oświęcim, die sich symbolisch mit der Kritik des Nationalsozialismus und der Freiheit aller Menschen befassen. Nach einer kleinen Stärkung im Café haben wir eine Ausstellung im Sinti und Roma Museum des Ortes besucht. Anschließend wanderten wir zusammen zurück zur Jugendherberge, wo wir gemeinsam zum letzten Mal zu Abend aßen. Nach dem Abendessen folgte das Zusammenspiel mit unseren ukrainischen Freunden.
7.3.
Nachdem wir zusammen gefrühstückt haben, absolvierten wir einen dreistündigen Workshop über verschiedene Dokumente und ein Interview mit Franz Rosenbach. In diesem wurden uns Dokumente von verschiedenen ehemaligen politischen Anweisungen gezeigt, welche wir analysierten. In dem Interview berichtete uns Franz Rosenbach seine persönliche Geschichte über sein Leben im Konzentrationslager und sein weiteres Leben. Nach dem Mittagessen und einer freien Zeit sind wir um 15.40 Uhr vom Bahnhof Oświęcim losgefahren und am nächsten Morgen um 7.20 Uhr in Paderborn angekommen.
Oshpizin heißt Zuflucht
Das Städtchen Oswiecim heißt im Jiddischen Oshpizin. “Oshpizin bedeutet Zuflucht“ lernen alle Schülerinnen und Schüler beim Rundgang durch den historischen Stadtkern am ersten Tag. So auch bei dieser Fahrt, die in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich war:
Es war die erste Fahrt der Friedrich-Spee-Gesamtschule ins Ausland seit den Coronabeschränkungen.
Schülerinnen und Schüler der Klassen 10, EF und Q1 fuhren mit.
Das Leitthema dieser Fahrt war der Völkermord an den Sinti und Roma, der längst nicht so präsent ist wie der Völkermord an den europäischen Juden. Sinti und Roma kommen im aktuellen Lehrwerk in GL nicht vor.
So starben in Birkenau drei Paderborner und die sechsjährige Renate Weinrich, in Paderborn geboren, im “Zigeunerlager“. Wir näherten uns dem Schicksal der Sinti und Roma einerseits durch die Besichtigung der Überreste des „Zigeunerlagers“ in Auschwitz-Birkenau, aber auch durch zwei Workshops, in denen näher auf individuelle Schicksale eingegangen wurde und durch den Besuch des Roma-Museums in der Altstadt von Oswiecim. Die Workshops wurden von Frau Pasternak und Frau Tkichenko geleitet, die schon auf vorherigen Fahrten mit uns zusammengearbeitet haben.
Soweit, so geplant.
Bis zum russischen Angriff der Ukraine.
Bei unserer Anreise befand sich in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte IJBS eine Schülergruppe aus Hamburg, als wir fuhren hatte sich die IJBS in ein Heim für etwa 60 Geflüchtete aus der Ukraine verwandelt. Ein Großteil von ihnen war aus Charkiv in zwei Reisebussen geflüchtet. Unter ihnen ein Junge, der sich mit zweien aus unserer Gruppe anfreundete. Die Verständigung klappte mit Russisch, Google-Übersetzer und am besten beim Kickern und Tischtennis spielen. Und da war die Familie mit zehn Kindern, viele Frauen und ältere Menschen, nur sehr wenige Männer. Betreut wurden sie von einem Verein aus Oswiecim. IJBS-Leiter Szuster hatte sich bereit erklärt, diese Menschen aufzunehmen, denn man sei ja eine Begegnungsstätte. Am Sonntag konnten wir unsere Spenden überreichen, die wir spontan in Absprache mit der IJBS in Deutschland gesammelt hatten. Hier noch einmal vielen herzlichen Dank an die Elternhäuser!
Oshpizin bedeutet Zufluchtsort. Wir durften es miterleben.
GauA
